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Kampfansage!

Gestern...

Nach einer schmerzerfüllten Nacht, in der ich in Gedanken die Wände mehrmals hochging, rang ich mich dazu durch, den Qualen aktiv/passiv ein Ende zu bereiten. Zwei oder drei Tage lang hatte ich gehofft, der Schmerz ließe sich ignorieren und würde sich - gedemütigt - ins Nichts verkriechen. Früher hatte das durchaus funktioniert. Aber diesmal nicht. Schade. Irgendwie.

Seit meinem letzten Zahnarztbesuch waren ein paar Jahre vergangen. Mein damaliger Zahnarzt war zu grob mit meinem ihm anvertrauten „Kauapparat" umgegangen, befand ich. Dem wollte ich nie wieder unter die Hände kommen. Nee... und allen anderen Zahnärzten am besten auch nicht.

An einem gewissen Punkt besiegt der Schmerz die Angst.

Als ich dann auf dem Zahnarztstuhl (nicht der des groben Ungetüms!) lag, war ich ein bisschen aufgeregt/ängstlich, jedoch sah ich voller Vorfreude den nahenden schmerzfreien Zeiten entgegen.

Meine Erlöserin erklärte den Schmerzverursacher für tot; und um mich davon zu überzeugen, dass dem so ist, stocherte sie herzhaft in der Backenzahnruine herum. Mein schmerzverzerrtes Gesicht und das begleitende „immmh" sorgten bei ihr für einen Aha-Effekt: irgendwas mit „eingewachsenes Zahnfleisch" oder so vernahm ich.

Dass der Zahn entfernt werden musste, war beschlossene Sache. Okay. Prima. Dass es hässlich wehtun würde, wenn die Betäubungsspritze sich in mein entzündetes Zahnfleisch bohrt, sagte sie mir vorher noch. Fein. Wehgetan hat’s nicht wirklich, aber: dankeschön fürs Angstmachen! [Das gleiche Spiel wiederholte sich, als der Zahn ‘rausgezogen wurde. Aber ‘mal ehrlich: das Knirschgeräusch war viel ekliger als das dumpfe Gefühl dabei.]

Das Kribbeln begann bei den Einstichstellen und war plötzlich in meinen Fingern. Dann fing ich an, schwer und langsam zu atmen. Mir wurde schummrig vor den Augen. Arme und Beine wurden tonnenschwer. Panik!

Als sich Ärztin + Assistentin wieder um mich kümmerten, brachte ich ein „Mir ist schwindelig." hervor. Warum ich nicht gleich etwas gesagt hätte... ?!?

Ich wurde in die Horizontale gebracht. Die Ärztin redete mir gut zu, öffnete den Reissverschluss meines Kurzpullis, kühlte meine Stirn, hielt mein rechtes Bein hoch, tätschelte mir die Wange und forderte mich dabei wiederholt dazu auf, meine Augen geöffnet zu halten [Selbsthypnose hatte ich bisher nur mit geschlossenen Augen praktiziert, also musste selbige ausfallen. Mist!], während die Assistentin mir Luft zuwedelte und mir etwas zur Anregung des Kreislaufes einflößte.

Nach einer Weile normalisierte sich meine Atmung; Arme und Beine „tauten auf"; das Kribbeln verschwand. [nur nicht aus Wange und Lippen]

Weil ein anderer Patient wartete und ich mich noch nicht ganz wohl fühlte, wurde ich ins Zimmer der Sprechstundenhilfe geleitet und durfte mich dort - bei einem Glas Mineralwasser - erholen.

Kurzzeitig wurde erwägt, die Zahn-OP wegen meines kleinen Schwächeanfalls auf einen anderen Tag zu verschieben. Noch einmal die gleiche Prozedur? Nee, ohne mich!

Während der Backenzahnentfernung starrte ich tapfer auf die Deckenlampe. Einen besseren Fixierpunkt hatte ich nicht gefunden. Die 50er-Jahre-Rock’n’Roll-Musik, die aus dem Radio sprudelte, ging mir zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr auf den Keks. Drück-zieh-dreh-knirsch und das verhasste Ding war draußen.

Danach das Unvermeidliche: Mull(?)-Dingsbums im neu erschaffenen blutigen Krater, Anweisungen zur Ernährung am Tag des Eingriffs, Belehrung zum Thema „regelmäßiger Zahnarztbesuch".

Puh, ich hatte meine Angst besiegt und war dem Schmerz entgegengetreten! :-)



schmerzwelten

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