Meine Helden

Samstag, 25. Juni 2005

end of the road

homegraveEine Ära ist zu Ende gegangen: die Ära von Sentenced.

Im Jahr 2000 trat ein Mann, der mir im Laufe der Zeit sehr wichtig wurde und der noch immer - obwohl unser Kontakt zueinander wohl endgültig abgebrochen zu sein scheint - in einer großen Ecke meines Herzens wohnt, in mein Leben. Diesem Mann hab’ ich es zu verdanken, dass auch ich Einlass in die emotionsgeladene Welt Sentenceds fand. [Danke, A.!]

Als wäre es gestern gewesen... so erinnere ich mich an die ersten Klänge von „killing me killing you", die mich bis heute nicht losließen, mich immer wieder zu berühren vermögen. Inzwischen zählt Sentenced zu den Bands, deren Musik/Texte mir die liebsten sind; vielleicht - oder ganz bestimmt -, weil sie mir so oft aus tiefster Seele sprechen und ich jede Silbe/jeden Ton mitfühle.

Vor wenigen Monaten schockierte mich die Mitteilung Sentenceds, in welcher die fünf finnischen Musiker ihren Abschied als Band verkündeten. Hätte ich darauf vorbereitet sein müssen? Ja. Aber ich war’s nicht. ... Beim Durchlesen jener Mitteilung hatte ich das Empfinden, irgendwas in meinen Fingern, in meinen Augen, in meinem Herzen würde (ab-)sterben.

Aber wie das so ist, wenn jemand oder etwas Liebgewonnenes stirbt: die Erinnerungen daran leben weiter... solange man sie noch wachzukitzeln weiß. Im Falle von Sentenced genügt es, ins CD-Regal zu greifen, einen der wunderbaren Silberlinge herauszufischen, selbigen erklingen zu lassen und.... man ist mittendrin: Gefühl pur!

Was mich auf ewig mit Sentenced verbandeln wird, sind nicht zuletzt die „besonderen Momente" aus meiner Vergangenheit (mit A.), die durch den ein oder anderen Song im Ohr in meinem Gedächtnis illustriert werden: der Soundtrack eines wichtigen und schönen Teils meines bisherigen Lebens. Unvergesslich. Unvergessen.

Einer dieser besonderen Momente ereignete sich am 22. November 2002 in Hamburg. Damals hatte ich - mit A. an meiner Seite - das Vergnügen, Sentenced zum ersten - und bisher einzigen - Mal live erleben zu dürfen. Meine früheren Aufzeichnungen zu jenem Konzert und dem Drumherum lesen sich so:

...

In etwa fünf Minuten nach Plan fuhr unser ICE, der auf der Strecke sogar 'nem "Bummelzug" Vorrang gab, in den Hamburger Hauptbahnhof ein. Nachdem wir eine Kleinigkeit 'runtergeschlungen (wir hatten es wirklich eilig!) und unser Gepäck in einem Schließfach verstaut hatten, machten wir uns auf die Suche nach dem kürzesten Weg zum Veranstaltungsort, der Markthalle. Beim zweiten Anlauf waren wir dann richtig und erreichten nach ca. 5 min per pedes das Ziel.

Um zum Einlass zu gelangen, muss man mehrere metallene (aus Eisen, Stahl,...???) Treppenstufen, die einem "fall, fall, FALL!!!" zuzuflüstern scheinen, erklimmen. [könnte mir gut vorstellen, dass der ein oder andere bereits in einer euphorisch-angesäuselten Stimmung dort 'runtergekullert ist... AUA!]

Wir gesellten uns zur Schlange, die die Treppe bevölkerte, und warteten darauf, unsere Gutscheine gegen "richtige" Tickets umtauschen zu dürfen. Gegen 19:30 Uhr - schätze ich - ging's endlich vorwärts; beginnen sollte das Konzi um Achte.

Nach dem unvermeidlichen Abtasten von Körper und Kleidung, dem Ticket-Erhalt und der Jacken-Abgabe erstand ich für mein Brüderlein und für mich Sentenced-Shirts. Nebenbei bemerkt: Die Merchandising-Ecke war - von der Auswahl her - recht spärlich bestückt. :-/
Das Ambiente der Damentoilette begutachtete ich als nächstes. Naja, ... muss ein Klon der WC-Räumlichkeiten des ColumbiaFritz in Berlin sein: den Zweck erfüllend, aber kein Fünkchen mehr!
Hmmm... der bestellte Rotwein mundete mir diesmal gar nicht, sodass ich den Becher halbvoll zurückgab und den widerlichen Geschmack mit Cola wegspülte. Bedenke also, dass mein gleich folgendes Netto-Konzertreview vermutlich deshalb so ist, wie es ist, weil meine Sinne die Eindrücke weitestgehend unverschleiert wahrnahmen!

Eine schwedische Death-(???)Metal-Band mit Namen Blackshine eröffnete das letzte Konzert der gemeinsamen Europa-Tour [juppiiieheiduppiiie! Wir durften demnach auf einige Überraschungen gespannt sein.] des Dreiergepanns, welches durch Lacuna Coil und Sentenced ergänzt wurde. Für meinen Geschmack war deren Darbietung zu unspektakulär.... hat mich nicht aus den Stiefeletten gerissen. Bei einem Song übernahm der Bassist von Sentenced die Lead-Vocals. DAS war in der Tat cooool. :-)

Lacuna Coil's Cristina wurde mit "ausziehen-ausziehen-ausziehen!"-Rufen auf der Bühne begrüßt. Naja... ....
Die Italiener spielten überwiegend Songs von den letzten beiden Veröffentlichungen ("unleashed memories" und "comalies"). Lediglich EIN Musikstück konnte ich nicht zuordnen und nehme daher an, es müsste sich dabei um ein älteres gehandelt haben.

Wie schon bei Blackshine, ließ der Sound auch hier zu wünschen übrig... war viel zu laut und waberte ungleichmäßig durchs Publikum. Wenn man diese Lappalie (höhö) vernachlässigt, bleibt zu sagen, dass den angereisten Fans 'was Nettes geboten wurde. Applaudiert und gejohlt wurde genug. ... Meine Lacuna-Highlights waren allerdings diese: 1.: Der Moment, in dem eine Klopapierrolle auf die Bühne zuflog und Cristina nur dadurch, dass sie dem Ding in letzter Sekunde auswich, nicht am Kopf getroffen wurde, und 2.: die Show-Einlage eines Crew-Mitglieds: Der Gute wurde nämlich von Miss Scabbia auf die Bühne gerufen, wo er dann - vor der Lady kniend - "you're my sunshine" anstimmte.... was vom Publikum mit tosendem Applaus und irrem Gegröhle belohnt wurde. *ggg*
Während der zweiten Umbaupause des Abends brachten ein paar Gestalten Wodka-Flaschen auf die Bühne. Wer hätte DAMIT gerechnet? ;-)

Zu den Klängen des Openers von TCWL ließen sich die heiß ersehnten Suicide-Metaller sehen. Als Ville zur ersten Strophe von "cross my heart..." ansetzte, blieb mir das Herz fast vor Entsetzen stehen. Seine Stimme kam kaum gegen die Instrumente an und klang jämmerlich. Glücklicherweise hielt dieses Schrecken nur wenige Augenblicke an.
Das zweite Lied kündigte er ungefähr so an: "and now it's time to play our last song for tonight...". *lol* Natürlich ging danach ein großes Raunen durch die Menge. Also meinte der Spaßvogel, wir sollten "fuck you, Ville!" schreien, falls wir uns sicher wären, dass das Ende des Konzertes noch nicht gekommen sei. Wie wir darauf reagierten, muss ich nicht explizit erwähnen, oder doch? ;-)
Einige weitere lustige Sprüche hatte der Knabe noch drauf, u.a. bezeichnete er seine Heimat Finnland als Land des Weihnachtsmanns und des Suizids. Sein "everyone needs a hobby..." - und eine Wodka-Flasche hochstreckend fortführend - "this is ours!" heimste die meisten Lacher ein. Skål!
Obwohl die trübsinnigen Herren wohl schon vor dem Gig reichlich Alkohol konsumiert haben müssen, litt die Performance nicht sehr darunter. Okay, nach etwa einer Stunde war sie vorbei und somit viiiiel zu kurz.
Beim letzten Song des Abends - "the trooper" - erstürmten Blackshine, Lacuna Coil und die Crew-Mitglieder (?) das Podium und ließen die Sau 'raus. Einige von ihnen waren mit Klopapier umwickelt, andere hatten Pappnasen aufgesetzt... lustig, lustig! :-)

Fazit: Blackshine kann ich getrost aus meinem Gedächtnis radieren, Lacuna Coil erfüllte meine Erwartungen, und Sentenced hat sich tief in mein Herz gemeißelt. [Für das Duett mit Cristina bei "aika multaa muistot" muss ich allerdings Punkte abziehen; weil: passte nicht; Song verhunzt!!!]

...

Ja, so war’s damals.

Wer es sich nicht entgehen lassen möchte, Sentenced ein letztes Mal in bunt und in Farbe agieren zu sehen, sollte sich sputen. Ein full-time- Konzert wird es wohl nicht mehr geben, aber auf einigen Festivals, z.B. Wacken, werden die fünf Finnen anzutreffen sein.

Hmm... und nun?

Angedacht hatte ich, an dieser Stelle - zum Abschied, zur Erinnerung - ein Medley von Textfragmenten aus Sentenceds Schöpfungsepoche zum Besten zu geben, aber sowas käme sicherlich einem Overkill gleich. ;-)
Alternativ sei hier - bestenfalls mit ‘nem brennenden Kerzlein in der Hand und Tränen in den Augen - der Abschlusssong des Abschiedsalbums mitzufühlen:

...

--- end of the road ---

here we are, now lay the burden down
we’re coming to the end of our road
sorrowful yet glorious somehow
to be humming this one last ode

so calm and still...
it wasn’t all that bad, or was it now?
fulfilled... it doesn’t only hurt to end it now

the funeral

the memories beneath the dust of years
they seem like those of someone deceased
there’s no more to be done, or hoped or feared
just waiting for the final release

so calm and thrilled...
it wasn’t all that bad, or was it now?
still, it doesn’t only hurt to end it now

is life over, this life’s over?
or has it only just begun?
it grows colder, starts to moulder...
coming apart yet still not done
forever one


...

Ein herzliches Dankeschön an:

Ville Laihiala
Miika Tenkula ... R.I.P. :-/
Sami Lopakka
Vesa Ranta
Sami Kukkohovi


May they rest in peace.

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