Freitag, 21. Dezember 2007

damals,... vor drei Monaten

HIM [21. September 2007, Berlin]

Seit dem Augenblick, in dem „join me" das erste Mal in mein Ohr drang, sind einige Jahre vergangen. Mich hatte es urplötzlich voll erwischt; und dieses Wohlgefühl, welches mich einlullt, während ich Musikstücken von HIM lausche, ließ bis jetzt nicht nach.

Heute ist es drei Monate her, seit ich mir den Traum, Ville Valo und seine Mitstreiter wahrhaftig zu erleben, erfüllte.

Ziemlich kurzfristig hatte ich auf der website der Columbiahalle gelesen, dass HIM am 21. September ein intimes Konzert zur Vorstellung des frisch erschienenen sechsten Albums, „Venus Doom", in dem winzigen ColumbiaClub geben würde. Meine Vorfreude war riesengroß, als ich mich zum Kartenvorverkauf weiterklickte. Jedoch, wie nicht anders zu erwarten gewesen sein dürfte, waren die wenigen käuflichen Tickets zu diesem Zeitpunkt bereits an den Mann und die Frau gebracht. Ein paar Zitterpartien später - und 251 Euro auf meinem Konto weniger - hatte ich zwei Tickets sicher. Gepriesen sei e-bay! ;-)

Leicht war es nicht, einen Begleiter zu finden. Allein wollte ich mich diesem Vergnügen nicht hingeben; und eine Übernachtungsmöglichkeit hatte ich zudem nötig. Ein Anreiz sollte meine Einladung zu diesem Erlebnis sein. Unverständlicherweise - für mich - hat es sogar dann erst mit Aufbringung aller meiner Überredungskünste für eine Zusage gereicht. Meine Güte... Männer...! [Das konnte ich mir nun wirklich nicht verkneifen.] Nun ja, wenn man mit solcherlei Musik eher wenig anzufangen weiß, ist’s wohl verzeihlich.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und A.W. - ‘mal vorneweg; die letzten 200 Meter oder so im Schlepptau - ging’s Richtung Tempelhof; mit dem Ziel: ColumbiaClub. Dass alle Leute, die vor der kleinen Konzerthalle warteten, in selbige hineinpassen würden, hätte ich nicht gedacht. Eine optische Täuschung!?

A.W.’s „Willy Wonka, Willy Wonka"- Rufe hallen jetzt noch manchmal in meinem Schädel wider. War es die Aufregung, die ihn für geschätzte zehn Minuten zum Pinkeln ins „Unterholz" weglockte? Mir schien es, als sei er zu Fuß noch einmal nach Hause gesaust. Tzzz...

Erst ein Weilchen nach der angekündigten Einlasszeit öffnete sich die Türe des niedlichen Ex-Kinos. Zähflüssig schob sich ein schmaler Strang der schwarzen Menschenmasse hindurch. Wir warteten. Relativ lange. Nach meinem Empfinden bewegte sich mehrere Minuten lang nichts vorwärts. Dieser Eindruck wurde bald zur Gewissheit. Wir standen inmitten von Leuten, die als Gäste geladen waren und den verhältnismäßig wenigen Leuten, die eine Eintrittskarte vorweisen konnten, den Vortritt geben sollten. Na toll...

Nach dem Ticketentwerten, der Taschen- und Leibesvisitation, der Jackenabgabe, dem Durstlöschen (mit Mineralwasser... ja, wirklich!) und dem obligatorischen Toilettenbesuch blieb noch ausreichend Zeit für weitere „Willy Wonka, Willy Wonka"- Rufe, dusseliges Gequatsche, sehnsüchtiges Geseufze und das Abtasten der Anwesenden mit den Augen. Mancher „Fehlalarm" wurde ausgelöst, als Leute, die die Instrumente einstellten, auf und über die Bühne huschten. Es dauerte aber auch tatsächlich recht lange, bis sich die finnischen Love-Metaller dem erwartungsvollen Publikum zeigten.

Die setlist des Abends bekomme ich nicht mehr zusammen. Eigentlich hatte ich angenommen, dass ausschließlich Songs von „Venus Doom" auf dem Programm stehen würden, denn die Vorankündigung ließ genau das vermuten. Zu meiner Freude wurden allerdings mindestens - oder genau (?) - zwei Vertreter pro Album dargeboten. Ein schöner Querschnitt durch die gesamte Schaffenszeit der mit jedem Lied gefeierten Finnen!

Ville’s Stimme, die sich an diesem Abend eher selten in die Tiefen, die mir jedes Mal die wohligsten Schauer über den Rücken jagen, hinabwagte, enttäuschte mich ein wenig. Die Passagen, in denen er seine Emotionen kraftvoll hinausschrie, machten dies aber fast wett. Der nett anzusehende (welch’ Untertreibung!) Frontmann hatte ein Dauerlächeln auf dem Gesicht; selbst mit Zigarette im Mundwinkel! Mir schien es so, als sei er angesäuselt. In diversen Foren las ich, er sei offensichtlich gut gelaunt gewesen. Ob mit oder ohne Alkohol im Blut, kann ich nicht sagen. Die restlichen Bandmitglieder gaben mir keinen Grund zum Meckern; besonders Migé empfand ich (neben Ville, natürlich!) als am besten zu bestaunen. Seine „Grimassen" sind ja auch sowas von entzückend!

Nach einem „fuck you, Jesus"- Liedchen verschwand Ville hinter der Bühne, während die übrigen Herren noch einmal voll aufdrehten, um dann einige Minuten später ebenfalls unter heftigem Applaus und Gegröhle das Weite zu suchen. Auch Minuten anhaltendes Verlangen nach einer Zugabe brachte die Musiker nicht zurück. Ja, nach etwas über einer Stunde war der ganze Zauber vorbei; nur das taube Gefühl in den Ohren, das wohlige Gefühl im Leib und das selige Lächeln dauerten an.

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